= Danzig =
[c] Vorgeschichte [c]
Grabungen am Rechtstädtischen Rathaus und am Neptunsbrunnen haben mehrere Schichten von aufeinander folgenden sehr frühen Siedlungsspuren gerade an jener Stelle aufgedeckt, wo innerhalb der stark versumpften Mottlauniederung ein als Baugrund geeigneter Sandrücken vom Hagelsberg im Verlaufe der heutigen Langgasse (pl. Dluga) zur Mottlau führt.
Die älteste Schicht könnte auf das 7. Jahrhundert datiert werden. Fragmente einer relativ starken Kulturschicht werden auf die zweite Hälfte des 9. oder den Anfang des 10. Jahrhunderts datiert. Diese Siedlung war mit einem Erdwall mit Faschinenverstärkung umgeben. Die Bewohner trieben Ackerbau, Viehzucht und Fischfang und übten Handwerke aus, wie z. B. das Schmiedehandwerk.
Hierauf folgt eine Siedlung des 10. bis 12. Jahrhunderts, die ebenfalls durch eine starke Holz-Erde-Befestigung gesichert war, in der sich aber keine Spuren von Tierdung fanden. Sie war demnach eine Siedlung des Hafen-Handelstyps und dürfte auch über einen Markt verfügt haben. Ihre räumliche Ausdehnung wird auf höchstens drei Hektar, ihre Einwohnerzahl auf höchstens 2.000 Bewohner geschätzt, doch das sind sehr hypothetische Annahmen. Demnach dürfte das älteste Siedlungsgebiet Danzigs auf dem Terrain der späteren Rechtstadt gelegen haben.
Es ist zu bedenken, dass vor dem Eindringen der Slawen Prußen auch westlich der Weichsel bis hin zur Persante siedelten, wie aus vielen Orts- und Gewässernamen und der Tatsache zu erschließen ist, dass die kaschubische Sprache Substratelemente aus dem Altpreußischen enthält. In geschichtlicher Zeit lebten noch Prußen in Danzig. In der Danziger Gegend gab es noch geschlossene prußische Siedlungen. Im Jahre 997 wurden Prußen in der Danziger Gegend getauft, wie es aus der Vita Sankt Adalbert von Prag zu ersehen ist. Vielleicht ist der Ort „Praust, pl Pruszcz“, ein Hinweis auf seine prußischen Bewohner.
Unter Swantopolk II., der unter der Oberhoheit der Brandenburger Markgrafen und dem Heiligen Römischen Reich regierte, wurde die deutschrechtliche Stadt Danzig mit Lübischem Recht gegründet. Als Mestwin II. 1271 die Brandenburger Markgrafen um Unterstützung gegen seinen Bruder Wartislaw bat, sprach er von den „burgensibus Theutonicis fidelibus sepedicte civitatis Gedanensis, Prutenis quoque et nostris quibusdam specialiter fidelibus Pomeranis“, also von den treuen deutschen Bürgern der oft genannten Stadt Danzig, aber auch von den Prußen und den besonders treuen Pomeranen (die also nicht in der deutschen Stadt lebten, sondern auf dem Gebiet der späteren Danziger Altstadt, in der so genannten Grodstadt).
Ausgrabungen auf dem Gelände der Altstadt haben ergeben, dass an der Mündung der Mottlau in die Weichsel, vermutlich auf einer Insel, die durch zwei Mottlauarme gebildet wurde, „eine Burg mit einer Burgsiedlung entstanden ist, die ein politisch-administratives Zentrum und zugleich einen wirtschaftlichen Mittelpunkt für Handwerk und Handel bildete.“ Die Entstehung dieser Burgsiedlung wird für die Mitte des 10., vielleicht schon für das 9. Jahrhundert angenommen. Polnische Forscher vermuten, dass sie im Zuge der Eroberung Pommerns durch einen polnischen Fürsten gebaut worden sei. Dann wäre sie als Zwingburg gegenüber der etwa 300 bis 400 Meter entfernt gelegenen vorgenannten Siedlung anzusehen.
[c] Mittelalter [c]
Die Stadt Danzig, über deren Gründung keine Details bekannt sind, stand schon zu Ende des 10. Jahrhunderts in Blüte und Ansehen und wurde damals die Hauptstadt von Pommerellen.
979 wurde Pommern durch den polnischen Fürsten Mieszko I. erobert, der eine Festung bei Danzig gründete. Auf Betreiben des polnischen Herzogs Boleslaw I. Chrobry und seinen weitverbreiteten Eroberungszügen kam Bischof Adalbert von Prag nach Danzig und predigte 997 das Christentum bei dem baltischen Stamm der Pruzzen. Als Polen um 1034 im Chaos einer heidnischen Reaktion zerbrach, konnten sich die slawisch-pommerschen Stämme wieder von der Zentralgewalt aus Gnesen befreien. Viele Eroberungszüge der Polen gegen die Pommern und gegen die Prußen konnten im 11. und 12. Jahrhundert abgewehrt werden. Um 1047 wurde Pommerellen mit Danzig Teil des Piasten-Staates des polnischen Herzogs Kasimir I. Sein Sohn König Boleslaw II. verlor um 1060 die Kontrolle über Pommerellen wieder und somit den Zugang zur Ostsee, welches unabhängig durch einheimische slawische Regenten bis 1116 regiert wurde. 1116 unterwarf der polnische Herzog Boleslaw III. Schiefmund ganz Pommerellen mit Danzig. Nach dem Tod von Boleslaw brach in Polen der Partikularismus aus, und Danzig wurde im Rahmen der Senioratsverfassungsordnung dem Krakauer Seniorherzog unterstellt. Trotz der Verfassung, die die Einheit Polens sichern sollte, zerbrach das Land in eine Vielzahl, zeitweilig einander bekriegender piastischer Herzogtümer. Um 1180 setzte der polnische Seniorherzog Kasimir II. einen gewissen Sambor I. als Regenten in Danzig ein. Nach dem Tode Sambors übernahm sein Bruder Mestwin I. (Msciwoj) das Danziger Land. Dessen Sohn und Nachfolger Swantopolk II. (pl.: Swietopelk) erreichte nach einem von ihm initiierten Mordanschlag auf den polnischen Seniorherzog Leszek den Weißen (pl.: Leszek Bialy) um 1227 die volle politische Selbständigkeit. 1221 eroberte König Waldemar II. von Dänemark Danzig, verlor es aber schon 1225 an den Herzog Swantopolk II.
Ähnlich erging es auch seinem Sohn Mestwin II. mit den gegen seinen Bruder zu Hilfe gerufenen Brandenburgern, von denen er 1271 seine Hauptstadt zurückerobern musste. Kämpfe innerhalb der Dynastie der Samboriden, wie auch die wachsende Bedrohung seitens der Mark Brandenburg und des Deutschen Ordens führten zu einem engeren Anschluss Pommerellens an Polen. Als Mestwin II. 1294 ohne männliche Erben starb, fiel Danzig, laut dem Vertrag von Kempen (Kepno) von 1282 an den Herzog von Großpolen und König von Polen Przemyslaw II., nach dessen Tod 1296 übernahm sein Erbe der spätere König von Polen und Herzog von Kujawien Wladyslaw Lokietek, der aber um 1300 von den Böhmen (Tschechen) Wenzel II. aus Polen vertrieben wurde. Nach dem Mord am letzten Vorsteher der Przemysliden Wenzel III. 1306 konnte Wladyslaw aus dem ungarischen Exil nach Polen zurückkehren und sich wieder in Teilen Polens und in Pommerellen durchsetzen.
[c]Übernahme durch den Deutschen Orden[c]
1308 rief Wladyslaw Lokietek den Deutschen Orden gegen die Brandenburger zu Hilfe, die Danzig belagerten. Einer der Beweggründe für die Belagerung war der, dass die brandenburgischen Askanier vom römisch-deutschen Kaiser Friedrich II. im Dezember 1231 in Ravenna mit Pommern und Pommerellen belehnt worden waren und dass sie nach dem Tod des letzten pommerellischen Herzogs von dieser Belehnung, die noch am 8. Januar 1295 in Mühlhausen erneuert worden war, Gebrauch machen wollten. Den brandenburgischen Truppen öffneten deutsche Bürger Danzigs die Stadttore. Da der Deutsche Orden bei der Verteidigung der Danziger Burg mithalf, konnte der Markgraf von Brandenburg die Burg jedoch nicht einnehmen. Er zog aus Danzig ab, ließ jedoch eine schwache brandenburgische Besatzungstruppe zurück. Als die Verteidiger der Burg ihre militärische Überlegenheit erkannten, drangen sie in die Stadt ein und überwältigten die zurückgelassenen brandenburgischen Truppen. Der überwiegende Teil wurde niedergemetzelt. Danziger Parteigänger, die den brandenburgischen Truppen bei der Einnahme der Stadt behilflich gewesen waren, wurden hingerichtet. Der Deutsche Orden besetzte die Stadt und behielt sie – da die versprochene Entschädigung nicht ausgezahlt worden war – in seinem Besitz.
Um den Besitz Pommerellens mit Danzig rechtlich abzusichern, kaufte der Orden im Vertrag von Soldin am 13. September 1309 den Brandenburgern alle ihre – polnischerseits allerdings angezweifelten – Besitztitel an Pommerellen, die sie seit 1269 (siehe auch Vertrag von Arnswalde) und aufgrund der früher durch Kaiser Friedrich II. erfolgten Belehnung mit Pommerellen geltend machen konnten, für 10.000 Mark Silber ab. Die Annexion Pommerellens durch die Ritter des Ordens führte zu einem langanhaltenden Rechtsstreit zwischen dem Königreich Polen und dem Deutschen Orden, der 1343 durch einen Vergleich im Friedensvertrag von Kalisch beendet wurde. Danach herrschte zwischen dem Deutschordensstaat und dem Königreich Polen 66 Jahre lang Frieden.
[c] Spätmittelalter: Hansezeit und Deutscher Orden [c]
Ab dem 13. Jahrhundert etablierte sich Danzig als Handelsknotenpunkt in der Ostsee. Es gibt Indizien dafür, dass sich bereits zu Beginn des 13. Jahrhunderts Handwerker und Kaufleute aus Lübeck in der Nähe der Parochialkirche St. Katharinen ansiedelten. Vieles spricht dafür, dass diese Siedlung aber während der Auseinandersetzungen Swantopolks mit dem Deutschen Orden (1242–1248) wieder aufgegeben wurde. Zeugnis der frühen Handelsbeziehungen zu Lübeck, dass damals schon eine führende Rolle im Ostseehandel innehatte, liefert die älteste erhaltene Urkunde mit dem Danziger Siegel, das eine hochbordige Hansekogge zeigt. Am Ende des 13. Jahrhunderts besaßen die Danziger Kaufleute bereits einen großen Einfluss im Kontor Peterhof in Nowgorod und in Pommerellen und hatten sogar ein Mitspracherecht bei Gerichtsangelegenheiten. Danzig wurde zum Vorort des preußischen Quartiers innerhalb der Frühhanse, und nahm damit spätestens ab 1377 eine Führungsrolle gegenüber Thorn und Elbing ein. Seit Mitte des 14. Jahrhunderts ist eine immer stärkere Verflechtung im ostseeischen Transithandel  und mit den Städten des wendischen Bundes, vor allem Hamburg und Lübeck, zu verzeichnen, die den Kern der am Ende des Jahrhunderts entstehenden Hanse bilden sollten. Diese agierten nun immer häufiger gemeinsam als frühhansische Städte, darunter auch Danzig. Es ist die Teilnahme am sogenannten Hansetag von 1361 belegt. An den Auseinandersetzungen der Städte der Kölner Konföderation (siehe auch Kölner Konföderation) mit Dänemark und Schweden nahm Danzig seit 1367 teil.
Nach der Übernahme durch den Deutschen Orden 1309 kam es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen Rat und Orden über die Kontrolle des Handels. Wie fast alle Städte des Ordensgebietes übernahm Danzig 1343 an Stelle des lübischen Rechtes das Kulmer Recht. Mit dieser Handfeste legte der Orden als Landesherr der Rechtstadt die Selbstverwaltung in die Hände des Patriziats, von nun an konnte die Stadt ihren Rat und Bürgermeister selbst wählen. Der deutsche Orden unterstützte den Handel in den preußischen Städten, handelte sogar selbst, wusste er doch um die großen Profite, die damit zu erzielen waren. Innerhalb der Frühhanse konnte Danzig allerdings keine eigenständige Politik betreiben, weil die Stadt durch den Orden kontrolliert wurde und zudem in einem immer größer werdenden Konkurrenzverhältnis zum eigenständigen Handel des Ordens stand.
Trotz der Konflikte mit dem Deutschen Orden prosperierte die Stadt an der Weichselmündung weiterhin, was sich in umfangreichen Bauprojekten und der Zuwanderung vor allem hansischer Kaufleute und Handwerker spiegelte. Es kam zu einer Neuanlage der Danziger Ordensburg, die vormals hölzerne pomoranische Burganlange wurde durch einen backsteinernen Ziegelbau ersetzt. Das „Schloß“, wie die Burganlage auch genannt wurde, lag 30 Meter vom Mottlauufer entfernt, die Anlage bildete ein Quadrat, welches die Gassen am Rähm, die Große Knüppelgasse, die Rittergasse und die am Mottlauufer entlang führende Burgstraße umrahmten. Die Anlage der Rechtstadt (1340) und der Jungstadt (1380) fanden hier ihren Ursprung. Das Stadtgebiet wurde in nördlicher Richtung ausgedehnt, wo die sogenannte „Neustadt“ entstand (Pfarrkirche St. Johannes ca. 1349). In südlicher Richtung bildete sich um die Schiffswerft die Vorstadt, wo um 1400 die Filialkirche St. Peter und Paul errichtet wurde. Die Rechtsstadt hatte seit 1378 eine Ratsverfassung und das Rathaus wurde 1380 am Langen Markt angesiedelt; auch an der heute berühmten backsteinernen Marienkirche wurde ab 1343 weitergebaut: Am 26. März 1343 wurde auf Veranlassung des Hochmeisters Ludolf König der Umbau der Marienkapelle zur Pfarrkirche der Rechtstadt beschlossen. Es sollte schließlich 160 Jahre dauern bis der Bau des Gotteshaus und heutigen Wahrzeichen Danzigs fertig gestellt wurde. Ebenfalls am 26. März 1343 begann man mit der Errichtung der Stadtmauer, deren Grundstein unterm Eckturm am Stadthof gelegt wurde. Die rasche Entwicklung Danzigs führte seit Mitte des 14. Jahrhunderts zu sozialen Konflikten zwischen dem Patriziat, das den Rat bildete, und den Handwerkern sowie den neu zugezogenen Kaufleuten (1363, 1378).
Der außenpolitische Konflikt zwischen Polen und dem Deutschen Orden verschärfte sich nach der Krönung Wladislaw zum König Polens und dem damit einhergehenden Zusammenschluss Polens und Litauens – neben Polen der zweite große Kontrahent des Ordens. Der Konflikt kulminierte schließlich 1410 in der Schlacht bei Tannenberg bzw. Grunwald in der Nähe von Osterode in Ostpreußen. Nach der Niederlage des Ordens schloss sich, wie die meisten preußischen Städte, auch der Danziger Stadtrat zunächst der polnischen Krone an. Doch mit dem Frieden von Thorn (1411) gewannen die Ordensritter in der Folge die Kontrolle über die Kerngebiete ihres Territoriums, auch Danzig, zurück; es folgte die blutige Bestrafungen des übergelaufenen Stadtrats. 1416 kommt es zu Unruhen im Stadtgebiet, die den Orden zum erneuten Einschreiten zwangen. Ab 1440 war Danzig Mitglied des sogenannten „Preußischen Bundes“, einem Zusammenschluss aus Städtevertretern und Adel, die eine ständische Mitregierung einforderten. Als der Preußische Bund den polnischen König Kasimir IV. um Hilfe gegen den Orden bat, brach zwischen dem Bund, Polen auf der einen und dem Deutschen Orden auf der anderen Seite der Dreizehnjährige Krieg aus: Am 6. März 1454 ging Danzig auf Antrag der von Hans von Baysen angeführten Gesandtschaft des Preußischen Bundes mit dem seit 10. Februar 1454 mit Elisabeth von Habsburg verheirateten König Kasimir IV. eine Schutzbeziehung ein; Diese Schutzbeziehung mündete während des von Danzig finanzierten Dreizehnjährigen Krieges gegen den Orden 1457 mit der Verleihung des Großen Privilegs (Landgebiet, Hoheitsrechte und weitgehende Autonomie) an Danzig. Im Zweiten Frieden von Thorn von 1466 kam Danzig dauerhaft an das Königliche Preußen, das der Krone Polens, das heißt dem König persönlich, unterstellt war. Danzig wurden die bereits 1454, 1455 und 1457 verliehenen weitgehenden Autonomierechte bestätigt und es durfte gemäß dem ihm erteilten Privilegium Casimirianum seine Ämter selbst besetzen, erhielt die vollständige Gerichtsbarkeit (nach eigenem Gesetzbuch, Danziger Willkür genannt), Befreiung von allen Zöllen und Abgaben und von der Rechnungslegung über seine Einkünfte, das Münzrecht, das Recht, eigene Besatzung zu halten, und völlig freie Entscheidung über Krieg, Bündnisse und Frieden. Die Oberhoheit des Königs von Polen repräsentierte ein Mitglied des Stadtrats, den Burggrafen. Die Stadt hielt in Warschau ihren Sekretär und stimmte auf Reichstagen und bei Königswahlen mit. Die vier Stadtteile wurden nun zu einem Ganzen vereinigt und dem rechtstädtischen Rat untergeordnet.
Streitigkeiten mit dem König wegen Besetzung des Bistums Ermland führten zu dem achtjährigen Pfaffenkrieg (1472–1480), in welchem sich zwar Danzigs Macht, aber auch die polnische Antipathie gegen diese Stadt bewährte.
[https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Stadt_Danzig, 2015-09-11]