= Bremen =
Die Geschichte der Freien Hansestadt Bremen ist von der Hanse, vom Handel und der Seefahrt sowie vom Streben nach Selbständigkeit geprägt.
[c] Name [c]
Im 9. Jahrhundert wurde der Ort deutsch Bremen genannt, latinisiert zu Brema. 937 und auch danach stand in Urkunden der Name Bremun, was der Plural des Lokativs von brem ist. Brem bedeutete an den Rändern; ob an den Rändern des Flusses, der Düne oder der Gemarkung muss offen bleiben.
Adam von Bremen schreibt noch im 11. Jahrhundert von Bremon und danach ist auch breman oder bremin als Name zu finden. 1013 wird aus der deutschen und der lateinischen Form in einer Urkunde der Name bremonensis. Aus den Endungen an, on, un, ae, ia oder nur a und e wurde bald die Endung en bevorzugt und somit das mittelhochdeutsche Bremen.
[c] Ursprünge [c]
Das ältere Bremen liegt auf einem von Nordwest nach Südost verlaufenden ca. 23 km langen Dünenzug, der von Bremen Burg bis Mahndorf und bis zur Achimer Geest reicht und der beim Bremer Domshof eine Höhe von 13,2 m ü. NN hat. Nördlich der Lesum schließt sich die Osterholzer Geest an, mit teilweise steilem Abhang zu Weser und Lesum, deren in Bremen-Nord gelegene Teile auch als Rekumer Geet, Vegesacker Geest und Bremer Schweiz bezeichnet werden. Weitere eiszeitliche Geestflächen erheben sich nur ganz gering über das Schwemmland der Flussniederungen, es sind die Huchtinger Geest mit einer maximalen Höhe am Hohen Horst von 5,5 m ü. NN, eine sandig-kiesige Kuppe in Habenhausen mit 4,7 m ü. NN und der Hexenberg bei Borgfeld. Zwischen diesen höheren Zonen befinden sich im so genannten Bremer Becken mit durchschnittlichen Höhen um 3,3 m ü. NN (derzeitige durchschnittliche Höhe der Weser bei Bremen-Mitte) die Marschenlandschaft der Bremer Wesermarsch und der Weser-Aller-Aue, das Blockland, die Borgfelder Wümmeniederung und im Bereich Osterholz, Oberneuland und Borgfeld eine Wesersandterrasse.
Der Sand der Bremer Düne liegt auf Flusssedimenten. Aus 10.000 bis 11.000 Jahre alten Pollenfunden von der Schichtgrenze, also der Unterseite des Dünensandes, wird geschlossen, dass die Düne noch keine Zehntausend Jahre alt ist.
Es gibt Hinweise, dass schon im Pleistozän, also vor und teilweise während der letzten großen Kaltzeiten, Menschen als Jäger und Sammler der Altsteinzeit ins Gebiet des heutigen Bremen gelangt sind. Die sesshafte Lebensweise jungsteinzeitlicher Bauern breitete sich in Norddeutschland deutlich später aus als in den südlicher gelegenen Lößgebieten. Stattdessen hielt sich noch eine mesolithische Lebensweise von Jägern und Sammlern mit hoch entwickelten Geräten.
Aufgrund der in den früheren Jahrtausenden unterschiedlichen Wasserhöhen der Weser und seiner Nebenflüsse konnten weitgehend nur auf den geestigen Gebieten steinzeitliche Funde nachgewiesen werden. Durch Weserbaggerfunde vor Bremen-Mitte und Blumenthal gibt es Steinwerkzeuge aus der mittleren Altsteinzeit (Mittelpaläolithikum). Durch Lesefunde im Bremer Dünenzug sind mittelsteinzeitliche Schlagplätze, Kernbeile oder ein Scheibenbeil belegt. Einige Funde aus der Jungsteinzeit, der Kupfersteinzeit und der Bronzezeit belegen erste Besiedlungen aus dieser Zeit auf den etwas höher gelegenen Flächen von Bremen.
Um 650 v. Chr. verbreitet sich die Eisenzeit in den Norddeutschen Raum zwischen Weser, Elbe und westlichem Holstein. Funde aus der Jastorfkultur von etwa 600 v. Chr. bis zur Zeitenwende sind nachgewiesen. Die Verhältnisse von Wirtschaft und Kultur verändern sich stark. Um 250 v. Chr. dringen Sachsen in diesen Raum und vermischen sich mit den bereits ansässigen Chauken.
Im Gebiet um Bremen siedelte um die Zeitenwende der germanische Stamm der Chauken. Ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. ist die Bezeichnung Sachsen nachweisbar. Ob sich die Chauken teils den Sachsen und teils den Friesen angeschlossen haben, oder ob Chauken und Sachsen eventuell verschiedene Bezeichnungen für ein und dasselbe Volk waren, konnte bisher nicht geklärt werden. Zwischen dem ersten und dem achten Jahrhundert nach Christus entstanden an der Weser mit ihren verschieden Unterläufen erste Siedlungen, gelegen auf der 20–30 Kilometer langen Bremer Düne, die Schutz vor Hochwasser und gleichzeitig guten Zugang zu einer Furt über den Fluss bot.
Bereits im Jahr 150 n. Chr. erwähnte der alexandrinische Geograph Claudius Ptolemaeus einen Ort namens Phabiranon, was auch zu Fabiranum latinisiert und gerne als erste Erwähnung Bremens gesehen wird. Seine Schrift Germanias Megalis Thesis („Karte Großgermaniens“) umfasst knappen Text und viele geografische Koordinaten. Phabiranon beschreibt er nicht als Ort an der Weser (Uisurgio), deren Mündung er nicht ganz falsch genau südlich der Elbmündung angibt, sondern lokalisiert ihn ohne weitere Beschreibung nordöstlich dieser Mündung.
Der Dünenrücken am rechten Weserufer war im heutigen Bereich des Bremer Doms zirka 10 Meter hoch, etwa 3 bis 4 Meter höher als das Ufer des Weserarms Balge. Die Siedlung auf dem Dünenrücken war deshalb vor den häufigeren Überschwemmungen des Bereiches an der Balge gesichert. Funde aus der Balge, vom Marktplatz und der Domdüne belegen Siedlungen aus der Zeit der Völkerwanderung. Nachdem sich eine Fährstelle an der unbesiedelten Tiefer (Tiefer = „Tie-vere“ = Fähre zum Tie, also zum Platz oder Thing) entwickelte, wurde die Siedlung auf der Düne in der karolingischen Zeit ein Dorf, das als Fähr- und Etappenort vom Durchgangsverkehr lebte, aber zunächst auch noch von der Viehlandwirtschaft.
[c] Mittelalter [c]
Während der mittelalterlichen Christianisierung Nordeuropas durch Karl den Großen wurde der Missionar Willehad 780 in die Weserregion geschickt. Unter dem Jahr 782 erwähnt seine Lebensbeschreibung im Zusammenhang mit der Erschlagung eines Geistlichen mit Namen Gerwal den Ort Bremen zum ersten Mal. In der Vita Willehadi von 838 wurde dieses erwähnt mit dem Satz: „Siquidem Folcardum presbyterum cum Emmiggo comite in pago denominato Leri, Beniamin autem in Ubhriustri, Atrebanum vero clericum in Thiatmaresgaho, Gerwalum quoque cum sociis suis in Brema, odio nominis christiani, gladio peremerunt.“ Daraus entstand später die abgewandelte Bemerkung: „… hat man uns aus Bremen vertrieben und zwei Priester erschlagen …“.
Im Jahre 787 wurde der Aufstand niedergeschlagen und Willehad zum ersten Bischof des Bistums Bremen ernannt. Die Stiftungsurkunde der Bistumsgründung von 788 als zweite Urkunde der Existenz Bremens entpuppte sich später übrigens als eine Fälschung.
Bremen war zu dieser Zeit noch ein sehr kleiner Ort, aber in verkehrsgünstiger Lage: Nahe der oberen Grenze des Tidenbereichs war es leicht vom Meer aus mit Schiffen zu erreichen. Von Süden gab es außer dem Wasserweg von Ober- und Mittelweser den Landweg aus Südosten auf dem von Verden aus zwischen die Niederungen von Weser und Wümme ragenden Dünenrücken. Aus Westen und Südwesten ragte die Syker Geest in die Weserniederung, so dass nur wenig Feuchtgebiet zu Durchqueren war, um an den Hauptstrom der Weser zu gelangen. Wann und in welcher Form der Fährbetrieb zwischen der Tiefer (thie-veer, „Fähre zum Versammlungsplatz“) und dem linken Weserufer aufgenommen wurde, ist nicht überliefert.
Der erste Bremer Dom wurde aus Holz auf dem höchsten Punkt der Düne errichtet, wohl 789. Man weihte ihn auf den Namen des Apostels Petrus, dessen Attribut, der Schlüssel, zum Bremer Wappen geworden ist. 805 wurde das Bistum Bremen dem Erzbistum Köln unterstellt. Aufgrund der großen Entfernung hatten die Bremer Bischöfe aber relativ freie Hand. Noch im Dombezirk ließ Willehads Nachfolger Willerich südlich des Doms eine Kirche zu Ehren des inzwischen heiliggesprochenen Willehad errichten, die aber wenig später abbrannte. Willerich ließ 820 einen heiligen Hain fällen und aus dem Holz die zerstörte Kirche wiederherstellen und noch eine weitere bauen. Diese Pfarrkirche stand außerhalb des Dombezirks an der Stelle der heutigen Liebfrauenkirche und war Sankt Vitus geweiht.
Der Erzbischof von Hamburg, Ansgar, verlegte 848/849, nach der Plünderung Hamburgs durch die Normannen, seinen Sitz nach Bremen, wo der Bischofssitz gerade vakant war. Es entstand das Erzbistum Bremen. Nicht zuletzt wegen dieses Umzugs wird vermutet, dass der Bremer Dombezirk schon unter den Karolingern eine mit Wall und Graben gesicherte Domburg war. Neben Dom und Domkloster umfasste der Dombezirk das Palatium des Bischofs, die Häuser der Ministerialen und die leibeigener Bediensteter. Rechtlich blieb er bis zum Reichsdeputationshauptschluss bestehen.
Um 850 (andere Quellen um 858) wurde der erste Dom von dänischen Wikingern zerstört. Ansgar ließ danach einen steinernen Dom errichten.
915 wurde Bremen von Ungarn überfallen, die Kirchen niedergebrannt und die Einwohner verschleppt.
Neben dem Dombezirk bestanden und gediehen zwei weitere Siedlungen. Dort wohnten Händler und Handwerker. Eine Ufersiedlung, das suburbium (lateinisch für ‚Vorstadt‘), lag an Hangseite der heutigen Langenstraße, auf der anderen Seite des Weges waren Schiffsländen, wo man die damaligen kleinen Schiffe aufs Ufer ziehen konnte. Um die Sankt-Veits-Kirche wuchs das vicus (lateinisch für ‚Dorf‘).
888 erlangte Erzbischof Rimbert vom Kaiser Arnulf von Kärnten eine Bestätigung des Marktrechtes, dazu neu Münzrecht und Zollrecht. Die ältesten erhaltenen bremischen Münzen sind jedoch aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts. Der Markt war zunächst eine periodische Zusammenkunft der Händler. Über die genaue Lage der abgesteckten Marktfläche gibt es unterschiedliche Hypothesen. In den 1950er Jahren war man sich sicher, sie habe in der Nähe der heutigen Liebfrauenkirche gelegen. Inzwischen wurden aber archäologische Kenntnisse zum frühmittelalterlichen Landschaftsrelief gewonnen: in der unteren Hälfte des heutigen Marktplatzes war die Düne sehr flach, bot also keinen hochwassersicheren Baugrund, aber Platz für Marktbuden. Da auch das Ufer der Balge hier flach gewesen sein dürfte, ließen sich damalige Schiffe hier leicht aufs Land ziehen.
Otto I. stellte die Marktsiedlung 937 unter königlichen Schutz und übertrug seinen Grundbesitz in Bremen an den Erzbischof. Er erteilte ihr am 10. August 965 erneut das Markt-, Münz- und Zollrecht. In Bremen ansässige Kaufleuten versicherte er den gleichen Schutz wie denen königlicher Städte. Drei Jahre später erhielt Bremen die Erlaubnis jährlich zwei Märkte abzuhalten; einen acht Tage vor Pfingsten und einen Anfang November. Aus letzterem entwickelte sich der Bremer Freimarkt.
Um 994 und 1020 wurde der Wall um die Domburg wegen zunehmender Bedrohung durch Wikingerüberfälle verstärkt. Ab 1032 wurde der Wall Stück für Stück durch eine Steinmauer ersetzt.
Vom Bistum Bremen gingen unter den Bischöfen Ansgar, Adaldag und Adalbert wichtige Impulse aus. In den ersten Jahren der Amtszeit von Bischof Adalbrand (auch „Bezelin“ genannt) (1035 bis 1043) begann der Umbau zum salischen Dom. Der Bau ist die romanische Kernzelle des heutigen Bremer Doms. Noch vor der Vollendung fiel 1041 das Gotteshaus, die Dombibliothek, das Stiftsgebäude und ein Großteil der übrigen Stadtbebauung der Feuersbrunst des Bremer Brandes auf Grund einer Brandstiftung zum Opfer. Mit dem Wiederaufbau wurde sofort wieder begonnen. Größere Fortschritte machte er unter Erzbischof Adalbert (1043–1072). Da Stein knapp wurde, riss man sogar die gerade errichtete Verteidigungsmauer ab, um den Bau der Kathedrale zu beschleunigen.
Gräfin Emma von Lesum (um 975–1038) war eine mildtätige Gutsbesitzerin und erste namentlich nachweisbare Bremerin. Um die Stiftung einer Weide im Jahr 1032 geht es in einer der schönsten Volkssagen des 18. Jahrhunderts: Damals wollte sie den Bürgern eine Wiese schenken von der Fläche, die ein Mann in einer Stunde umrunden konnte. Ihr Schwager und Erbe, Herzog Benno von Sachsen, erhöhte die Zeit auf einen Tag, aber er suchte einen Mann ohne Beine aus. Der „Krüppel“ aber entwickelte ungeahnte Kräfte und umrundete ein Gebiet größer als die heutige Bürgerweide.
Eine Feuersbrunst zerstörte 1041 Bremen. Nach dem Wiederaufbau folgte in den Jahren 1043 bis 1072 ein wirtschaftlicher Aufschwung unter Erzbischof Adalbert, der insbesondere auf dem Handel mit Norwegen, England und den nördlichen Niederlanden sowie mit dem Hinterland an der Weser, in Sachsen und Teilen Westfalens beruhte. Bremen wurde ein bedeutender Handelsort und Warenumschlagplatz und laut Adam von Bremen „gleich Rom namhaft und zu einem Sammelpunkt der Völker des Nordens.“
Aber nicht nur der Handel brachte Erfolge. Das sumpfige Land – das Hollerland östlich von Bremen – wurde mit Hilfe holländischer Siedler (Vertrag von 1106 mit Privilegien für die Siedler) entwässert, durch Deiche geschützt und urbar gemacht. Ab 1171 entwickelte sich nach „Holländerrecht“ auch am linken Weserufer – also in Huchting, Weyhe, Brinkum und im Stedinger Land – eine stetig wachsende landwirtschaftliche Besiedlung. Bald folgten 1181 u. a. das Blockland, Arsten, Hasbergen, Horn und Oberneuland.
1050 kamen, durch Erzbischof Adalbert gefördert, die ersten Mönche – die Benediktiner – nach Bremen und bauten das Paulskloster vor die Tore der Stadt.
Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung wuchs auch der Einfluss der Bürger in der Stadt. 1139 wurde in bischöflichen Urkunden von der civitas geschrieben. Um 1157 wurde von einem Bürgerausschuss als Interessenvertreter der Stadt berichtet.
Im sogenannten Gelnhauser Privileg von 1186 verbriefte Kaiser Friedrich I. Barbarossa das erste bürgerliche Gesetz für die civitas Bremensis. Es besagte, dass nicht mehr die Kirche, sondern nur noch der Kaiser und der Senat Regierungsgewalt über die Stadt ausüben konnten. Bremen war nun formal freie Reichsstadt. Das Gelnhauser Privileg von 1186 enthielt zudem die Klausel Stadtluft macht frei. Faktisch musste die Unabhängigkeit den Erzbischöfen noch abgerungen werden.
1200 trat die Bürgerschaft Bremens dann nach außen in Erscheinung, indem sie mit der Grafschaft Altena einen Vergleich schloss. 1206 fanden sich Regelungen für die „burgenses“ (Bürger) durch das Erzstift, die dem Bürgerausschuss angehörten. In einer als concordia bezeichneten Übereinkunft mit Erzbischof Gerhard I. stehen sich die Stadt und das Erzbistum dann 1217 erstmals gleichberechtigt gegenüber.
Seit 1230 beurkundete und siegelte der Rath der Stadt in allen Gemeindeangelegenheiten. Anfänglich wurden die Ratsherren in den vier Kirchspielen (Viertel) Unser Lieben Frauen, St. Ansgarii, St. Martini und St. Stephani von den Bürgern gewählt. Der Einfluss der vermögenden Oberschicht nahm ständig zu.
Seit 1304 gab es 36 Ratsherren, jeweils neun aus jedem Viertel. Davon waren 12 im Eide für drei Jahre im ausübenden Amt. Die drei Drittel der Ratsherren – amtierende Ratsherren aus der Oberschicht, Ratsherren der Kaufmannschaft und Ratsherren der Viertel (meenheit) – bildeten die Wittheit. Seit spätestens 1330 waren die Wahlvoraussetzungen für Ratsherrn so, dass eine kleine, vermögende Oberschicht von etwa 30 Familien die wirtschaftlichen Grundlagen der Stadt beherrschte und das amtierende „Ratsdrittel“ stellte.
An der Spitze des regierenden Ratsdrittels stand seit 1344 der Bürgermeister. Seit 1398 bis 1852/53 gab es (mit Unterbrechungen) vier Bürgermeister. Seit 1433 gab es mehrere Jahrhunderte lang 24 Ratsherren und die vier in Linien geordneten Bürgermeister aus den vier Vierteln. Seit dem 15. Jahrhundert wurden auch akademisch ausgebildete Juristen zu Ratsherren bestimmt.
Aus den ersten Stadtmauern und Schutzwällen von 1032 und 1157 war um 1229 eine zusammenhängende Stadtmauer – die murus civitatis – geworden, welche die gesamte Altstadt mit wenigen Teilen des Stephaniviertels landseitig umfasste. Zur befestigten Stadt gehörte ein Gebiet rechts der Weser, das von der heutigen Hutfilterstraße bis zum Schnoor und den Wallanlagen reichte. Bereits 1244 führte die erste Brücke über die Weser. Ab 1307 wurde in die Stadtmauer der Altstadt auch das restliche Stephaniviertel einbezogen. Die Stadt konnte landseitig durch Stephanitor, Doventor, Ansgariitor, Herdentor, Ostertor und über die Weser durch das Brückentor erreicht werden. Viele weitere Tore und Pforten führten zudem zur Schlachte oder in das Umfeld. Zwischen Ansgariistadt und Stephanistadt verblieb bis 1657 die vorhandene Stadtmauer, die durch ein Tor – die Natel – verbunden war. Dieses Befestigungssystem wurde um 1512 bis 1514 verstärkt durch vertiefte Gräben, Erdwälle, Zwingertürme (Auf der Herrlichkeit die so genannte Braut, Ostertor und Stephanitor) und Kanonenbestückung.
Mit seinen 10.000 bis 15.000 Einwohnern war Bremen am Anfang des 13. Jahrhunderts rechtlich und tatsächlich eine Stadt mit Selbstverwaltung, Befestigung und Markt geworden, in der die Bürger, die Geistlichen sowie die Einwohner ohne Bürgerrechte lebten.
1220 spannte der Erzbischof Gebhard II. eine Eisenkette über die Weser und verlangte von den Schiffen für die Durchfahrt Abgaben. Die Bremer begehrten aber gegen diese Regelung auf, sodass sie schnell wieder abgeschafft wurde. 1223 ging der hamburgische Erzbischofstitel erneut auf Bremen über. 1225 wurden sieben consules als Rat der Stadt eingesetzt. Der Rat hatte seine eigenen Siegel, die den eigenen Machtanspruch verdeutlichten, auch wenn die Macht des Territorialfürsten, des Erzbischofs, respektiert wurde.
1229 wird erstmals ein Rathaus erwähnt, welches Ecke Obernstraße/Sögestraße lag.
Anlässlich des Streits mit den Stedinger Bauern bestätigte Erzbischof Gebhard II. Bremen 1233 seine eigenständigen Rechte und das Stadtrecht. Die Stadt entwickelte sich damit zunehmend zu einer vom Stadtherrn unabhängigen Reichsstadt.
Der allgemeine Wohlstand in Bremen wuchs. Das Stephaniviertel wurde 1305 in den Stadtmauerring einbezogen.
Rechtsunsicherheit und zunehmende Konflikte zwischen dem Rat und den herrschenden Familien mit Grund- und Rentenbesitz – „Geschlechter“ genannt – führten dazu, dass von 1303 bis 1308 das Bremer Stadtrecht erstmals kodifiziert, also schriftlich niedergelegt, und danach ständig erweitert wurde. Das Stadtrecht umfasste Bestimmungen über den Rat, über die Bürgerrechte und zu allen Bereichen des Zivil-, Handels-, Gewerbe- und Strafrechts. Trotz dieser Entwicklung kam es zu weiteren Konflikten. 1304 wurde mit Arnd von Gröpelingen ein Mitglied des Rates ermordet. Daraus entwickelte sich die Ratsfehde von 1304/1305 in deren Verlauf die „anständigen“ Ratsherren und Bürger einige der einflussreichsten Familien („Geschlechter“) aus der Stadt vertrieben. 1349 kam es infolge der Ermordung eines Ratsherrn durch ein Mitglied der von Conrad von Gröpelingen geführten Casalbruderschaft wieder zu Unruhen, die mit der Verbannung einiger einflussreicher Patrizier beendet wurden.
Die Stadt wird nun in vier Pfarrsprengel geteilt (s. u.). Die angesehenen Familien und Zunftmeister haben die Bürgerrechte. Sie wählen die Wittheit von drei mal zwölf Männern, die jedes dritte Jahr als Rat im Amt waren. Schied ein Ratsmitglied aus wählte die Wittheit einen Nachfolger. Um 1330 wurden die auf Lebenszeit gewählten Ratsmitglieder zu einer exklusiven Gruppe. Jahrelang fanden keine Neuwahlen statt und die Anzahl der Ratsherren reduzierte sich drastisch. Man einigte sich über die Voraussetzungen, unter denen sich Anwärter um das Amt eines Ratsmitgliedes bewerben konnten: „Freie und eheliche Geburt, ein Mindestalter von vierundzwanzig Jahren, Besitz von Stadtgrundwert in der Mindesthöhe von zweiunddreißig Mark, die Möglichkeit, dem Amt ein Pferd im Werte von drei Mark zur Verfügung zu stellen sowie zur Abtragung von städtischer Rentenschuld eine Mark einzuzahlen.“
Die Bremer Eke diente vor allem im 14. und 15.  Jahrhundert als häufig eingesetztes Binnenschiff aus Eiche (Eke), das auf der Weser vor allem auf der Ober- und Mittelweser eingesetzt wurde.
Die Erzbischofsfehde von 1348 bis 1350 mit der Doppelwahl von Gottfried von Arnsberg (der später Erzbischof wurde) und Moritz von Oldenburg führte zu Krieg und Unruhen. Dazu erreichte um 1350 Bremen die Pest. Ihr erlagen angeblich allein in einem Jahr 7000 Menschen bei einer Einwohnerzahl von zirka 15.000. Unmittelbar danach folgte die Hoyaer Fehde von 1351 bis 1359 mit bremischen Niederlagen und Kosten für die Gefangenenauslösungen. Bremen war pleite. Hohe Vermögenssteuern waren danach erforderlich. Zu dieser Zeit führte 1358 die Hanse einen Boykott gegen Flandern durch. Bremen, damals möglicherweise kurze Zeit nicht Mitglied der Hanse und finanziell durch die Hoyaer Fehde geschwächt, musste deshalb Gesandte nach Lübeck schicken. Bernhard von Dettenhusen und Heinrich Doneldey baten sehr demütig um Wiederaufnahme in die Hanse und sicherten zu, den Flandern-Boykott und Hamburg bei der Bekämpfung der Seeräuber auf der Elbe zu unterstützen.
Von den 15.000 Einwohnern der Stadt waren nur die wenigsten auch Bürger. Eine kleine Oberschicht von etwa 30 Familien beherrschte die wirtschaftlichen Grundlagen. Sie stellten ein Ratsdrittel. Das Ratsherrenamt behielten sie lebenslang. Auch die anderen beiden „Ratsdrittel“, die Wittheit und die Meenheit waren gut situierte Bürger. Die Pest, die Hoyaer Fehde und die deshalb erforderliche kostspielige Auslösung von Gefangenen verschärften die sozialen Spannungen.
Im sogenannten Bannerlauf protestierten im September 1365 einige Handwerker (16–18) aus dem Ratsdrittel der Meenheit – das Bremer Banner tragend gegen die ungerechte Verteilung der erforderlichen hohen Geldzahlungen. Sie drangen in einige Häuser von Ratsherren und des Bürgermeisters Albert Doneldey und beschimpften diese als „Verräter und Hurensöhne“. Im Gegenzug wurden die Führer des Aufstandes zum Tode verurteilt, ihr Eigentum eingezogen und ihre Frauen und Kinder verbannt. Die meisten der Aufständischen konnten jedoch entkommen.
1365 versuchte Erzbischof Albert II. von Braunschweig-Lüneburg die Stadt zu beherrschen mit Hilfe dieser ausgewichenen Handwerker als Bürgerpartei. In der Nacht vom 28. auf den 29. Mai 1366 jedoch überrumpelten geflohene Aufrührer mit Hilfe der Kriegsknechte des Erzbischofs die Stadt. Die Kriegsknechte verbrannten den noch hölzernen Roland, der auf dem Marktplatz stand. Einige Wittheitsmitglieder und Ratsmitglieder flohen nach Delmenhorst. Die von der Hanse geächteten Aufrührer regierten die Stadt nur kurzzeitig. Eine Neuordnung der Ratswahlen wurde eingeführt, bei der die Gruppe der Meenheit – die einfachen Handwerker – und die der Zünfte dominieren sollten. Der neue Rat konnte nicht den erforderlichen Rückhalt der Bürger erwerben. Am 24. Juni ächtete die Hanse den neuen Rat als „Verräter“, um die Rechte der freien Stadt gegenüber dem Erzbischof zu stärken. Die ausgewichenen alten Ratsherren konnten mit Hilfe von Konrad II. von Oldenburg am 27. Juni 1366 Bremen zurückerobern und diesen sozialen Aufstand beenden. Die „Verräter“ wurden im Kampfgetümmel erschlagen, oder danach, erhängt, geköpft oder gerädert. Der zurückgekehrte Rat restaurierte die alten Machtansprüche der Oberschichten und arrangierte sich mit den Zünften.
Nachbetrachtung: Das Bündnis der Meenheit mit dem Bischof führte zwar dazu, dass die einfacheren Handwerker im Rat angemessen vertreten waren, aber nur für den Preis einer Unterordnung der Stadt unter den Bischof, also zu Lasten der Reichsfreiheit. Nach diesen Krisen hat sich Bremen gut erholt und eine aktive Machtpolitik verfolgt mit territorialen Zugewinnen.
Bremen war viermal Mitglied der Hanse. Insgesamt summiert sich die Mitgliedszeit auf 252 Jahre. Die einzelnen Mitgliedszeiten: 1260–1285, 1358–1427, 1438–1563 und 1576–1669
Die erste Mitgliedschaft endete nach nur 25 Jahren. Der Grund dafür war ein Konflikt zwischen den bremischen Kaufleuten, welche weiterhin ein Interesse an dem seit dem 11. Jahrhundert vorherrschenden Nord-Süd-Handelsverkehr hatten, und den Hansestädten an der Ostsee. Die wendische Städteversammlung hatte in Wismar eine Blockade Norwegens beschlossen, um den West-Ost-Handel zu stärken. Bremer Kaufleute verweigerten sich diesem Beschluss. Daraufhin soll Bremen aus der Hanse ausgeschlossen worden sein.
Ein weiterer Grund der Schwierigkeiten Bremens mit der Hanse war sein lasches Vorgehen gegenüber Seeräubern. Bremen wollte seine Beziehungen zu den Friesen Butjadingens nicht verderben in der Hoffnung, die territoriale Herrschaft über das Land an der Wesermündung zu gewinnen.
In einer Schwächeperiode Bremens wurde die Stadt 1358 gezwungen wieder der Hanse beizutreten (s.o.). Bremens Interesse an der Hanse war oft sehr eigennützig. Hatten die Kaufleute Vorteile durch den Städtebund, nutzten sie ihn, machten aber auch gerne Geschäfte, die den Interessen der Hanse entgegenstanden. Aber bei den Hanse-Versammlungen in Lübeck forderte Bremen immer – oft erfolglos – einen hohen Rang.
1427 wurde Bremen aus der Hanse ausgeschlossen, nachdem Bürgermeister Herbort Duckel 1425 auf Grund innerer Unstimmigkeiten wegen bremischer Anleihen aus Bremen floh und die Hanse gegen Bremen mobilisieren konnte. 1438 wurde Bremen wieder in die Hanse aufgenommen. Es nahm an den Kaperkriegen gegen Burgund – wozu auch Holland gehörte – teil und schloss 1446 Frieden mit Burgund. Zwischen 1449 und 1530 fanden in der nun hoch geachteten Hansestadt sechs hanseatische „Tagfahrten“ (Fahrten um zu tagen, also um zu verhandeln) statt, zwei davon, 1493 und 1494 als Hansetag aller Mitglieder. Der Handel bremischer Kaufleute mit u. a. Getreide, Fisch, Stein, Holz und Bier orientierte sich auf die Niederlande, England, Norwegen, die Oberweser, Westfalen aber auch auf die Ostseestädte.
Nicht zuletzt wurden in Bremen Koggen gebaut. Aus dem Jahr 1380 stammt das Wrack einer Hanse-Kogge, das verhältnismäßig gut erhalten 1962 bei Hafenerweiterungsarbeiten im Schlamm der Weser gefunden wurde und sich heute im Deutschen Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven befindet. Gerade die Bremer Koggen zeichneten sich dadurch aus, auch in engen Hafengewässern manövrierfähig zu sein.
Der Machtverlust der Hanse begann mit dem Erstarken der landesherrlichen Territorialgewalten im Ostseeraum. Auch musste die Hanse 1441 die wirtschaftliche Gleichberechtigung der Niederländer anerkennen. Die Hanse verlor weiter an Bedeutung, da sich durch die Entdeckung Amerikas 1492 neue Handelsmöglichkeiten erschlossen.
Die Bremer Bergenfahrergesellschaft erstarkte mit dem Niedergang der Bergenfahrt der an der Ostsee gelegenen Städte des Wendischen Hansequartiers. Etwa ab der Mitte des 16. Jahrhunderts stieg Bremen im Bergener Kontor Bryggen zur neuen Führungsmacht auf.
Von 1563 bis 1576 war Bremen wegen des Religionsstreites zwischen orthodoxen Lutheranern und Reformierten wieder einmal von der Hanse ausgeschlossen worden.
Mit Beginn des 17. Jahrhunderts war die Hanse nur noch dem Namen nach ein Bündnis. Der Dreißigjährige Krieg, 1618–1648, brachte die völlige Auflösung. Auf den Hansetagen 1629 und 1641 wurden Hamburg, Bremen und Lübeck beauftragt, das Beste zum Wohle der Hanse zu wahren.
Das Fahrwasser der Weser versandete zusehends und erlaubte oft nicht, dass die Koggen bis Bremen fahren konnten. Sie wurden deshalb im Blexer Tief oder bei Brake umgeladen, und die Waren auf Eken (Weserschiffen) zwischen den Liegeplätzen und der Schlachte transportiert. Die Balge war seit 1602 für Schiffe gesperrt.
Die Bremer Handelsflotte hatte um 1560 um die 65 Schiffe mit einer Gesamttragfähigkeit von über 4.000 Lasten was etwa 8.000 Tonnen entspricht. Die Anzahl der Schiffe nimmt zum Ende des 16. Jahrhunderts auf 107 Schiffe zu.
[https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Stadt_Bremen, 2015-09-15]
