= Der Kraier =
Der Kraier, auch bekannt als Kreyer, Crayere oder Kragere, ist ein hochseefähiger Transportsegler friesischen Ursprungs. Dieses zunächst kleine Wattenshiff entstand durch den Fortschritt im Schiffsbau und der Betakelung als Lückenfüller wischen den immer grösser werdenden Koggen und Holken und der kleinen Schniggen und Schuten. Im Hansischen Urkundenbuch ist für das Jahr 1407 ein Stralsunder Kraier nachgewisen als 34 bis 36 Lasten tragfägiger Einmaster mit Rahbetakelung. Es wies auch eine Schazverkleidung, Achtergestell und eine gewölbte Kajüte auf. Somit konnte das Schiff neben dem Schiffsherrn und einen Schiffsjungen 4 Matrosen aufnehmen.
Für Wismar ist der erste Kraier im Jahr 1454 nachgewiesen. Dies ist bereits ein zweieinhalbmastiges Schiff mit Rahbetakelung an Vor- und Grossmast. Der Besan führte ein Gaffelsegel. Vom 14. bis ins 16. Jahrhundert wurde der Kraier besonders im Ostseeraum eingesetzt. Im 15. und 16. Jahrhunder verkehrten dreimastige Kraier auch in der Nordsee nach Norwegen und den Niederlanden. Weiterentwicklungen liesen die Tragfähigkeit bis zu 60 Lasten und eine Besatzung von 12 Mann zu. In der Baienfahrt im Jahr 1411 wird ein Kraier erwähnt mit 90 Lasten Salz beladen. Dieser grossen Variante waren oftmals mit einem Mars versehen und wurden als Merskreier bezeichnet. Somit wurde in den Jahren 1421, 1458 bis 1460 und 1475 Kraier mit und ohne 'sonder mersse' unterschieden.
Quelle: Günter Krause, Handelsschifffahrt der Hanse, 2010,  S. 150 f.